MV Michael Vogler formt mit der Kettensäge, modelliert, befreit die Skulptur aus den oft abgestorbenen Eichen- Ulmen- oder Lindenholzstämmen und erweckt sie so zu neuem Leben.

Sein Umgang mit der Motorsäge ist technisch auf höchstem Niveau. Diese Technik ist es vor allem, die Michael Vogler aus der Vielzahl der Holzbildhauer herausragen lässt. Es gelingt ihm mit dem Sägeschwert die feinsten Strukturen und Formen aus dem Holz herauszuarbeiten.

Ulrich Heiß M. A. Kunsthistoriker, ehem. Leiter des Kunsthauses Kaufbeuren

 

 

 

Bekannt geworden ist Bildhauer Michael Vogler durch seine riesigen Kettensäge- Reliefskulpturen, mit denen er nicht nur eine Neuheit in die Kunstwelt brachte, sonder die Fusion Kettensägearbeit-Bildhauerarbeit-Airbrush als sein Markenzeichen entdeckt hat und ständig weiterentwickelt. So tauscht er die Farben mit dem Schweißbrenner, brennt, verkohlt, macht durch Feuerpatina die Strukturen des Holzes und der Kettensäge sichtbar. Die Reliefskulpturen sind in sich gewölbt, gekrümmt, skulpturiert. (siehe Jurybegründung zum Kunstpreis, Festwochen Kunstausstellung Kempten)

Ebenso neu ist seine Splitterart, mit kettengesägten Holzsplittern zu modellieren. Dabei entstehen skurrile Reliefinstallationen und Plastiken, zusammengefügt aus unförmigen, kettengesägten Holzstücken. Wilde Landschaften, wilde Köpfe und Körper.

Die Fragmentskulptur ist eine weitere Entdeckung von MV. Er durchbricht einen Holzstamm spaltenartig mit der Kettensäge solange bis gratartige Gebilde entstehen. Das Ergebnis: fesselnde Installationen, Phantasielandschaften, Berg- und Schluchtenwelten mit extremer Tiefenwirkung, mal mystisch und geheimnisvoll, mal bedrohlich und anklagend oder einfach verblüffend.

Metallskulpturen entwickelt er entweder aus Kettensägearbeiten oder modelliert sie als Freiplastik aus Wachs, Ton oder Gips. Formel wie inhaltlich sprechen Sie die gleiche Sprache wie seine Holzskulpturen. Im Mittelpunkt seiner Themen steht der Mensch, ganz klein gegenüber der gewaltigen Natur. Und doch: Der kleine Mensch kann die scheinbar übermächtige Natur aber auch die Kultur schädigen oder gar zerstören. Auch das Verhältnis von Mensch zu Mensch, Mensch und Macht thematisiert er.

In den Reliefskulpturen Michael Voglers trifft man in einer steilen Perspektive auf wilde Landschaften. Michael Vogler gewährt einen Blick aus großer Höhe. Die Kompositionen erinnern an Alpenpanoramen eines naturwissenschaftlichen Museums oder japanischem Holzschnitt. Zur bizarren Dramatik trägt die Konzentration auf das Wesentliche ebenso bei, wie der Größenunterschied zwischen mächtiger Landschaft und winzigen Menschen die sich darin fortbewegen. Bildhauerarbeit wie Malerei sind gut behandelt und aufeinander abgestimmt. Durch farbige Akzente betont der Künstler die Plastizität der blockhaft vereinfachten Darstellung und verzichtet in der Farbfassung auf Nuancen und Binnenzeichnung. Sowohl das Sägeschwert wie auch das Schnitzeisen führt der Künstler der über eine gründliche, handwerkliche Ausbildung verfügt, souverän. Darauf aufbauend zeigen sich seine Skulpturen höchst zeitgemäß. Michael Vogler beweist große Ahnung von der Kunstgeschichte, ohne darin zu plündern. Die Jury sieht deutliche Paralellen zur Qualität der aktuellen, figurativen Bildhauerkunst in Deutschland, etwa eines Stephan Balkenhol. Die Jury würdige in Ihrem Urteil die eigenständige Landschaftsdarstellung, von großem perspektivischem Reiz. Die gekonnte Zusammenführung von Schnitzkunst und Malerei werden als richtungsweisend gewertet.

Jurybegründung zum Kunstpreis 2004

Festwochenkunstausstellung Kempten

 

 

 

 

 

Das künstlerische Werk des Holzbildhauers Michael Vogler lernte ich bei der Jury im Rahmen der 56. Kunstausstellung der Stadt Kempten kennen. Bei einem Besuch in seinem Atelier auf dem Gnadenberg in Immenstadt, konnte ich mich mit der besonderen Technik des Künstlers vertraut machen. Diese Technik ist es vor allem, die Michael Vogler aus der Vielzahl der Holzbildhauer herausragen läßt. Sein Umgang mit der Motorsäge ist technisch auf höchstem Niveau. Es gelingt ihm, mit dem Sägeschwert die feinsten Strukturen und Formen aus dem Holz herauszuarbeiten. Es ist ein freiplastisches Arbeiten, in ständiger Bewegung und unter Aufwendung großer Körperbeherrschung. Die 3 Meter hohe Arbeit für den Landkreis Oberallgäu im Landratsamt Sonthofen zeigt eine der Früchte dieser künstlerischen Entwicklung. Es ist zu erwarten, daß Michael Vogler mit seinem handwerklichem Vermögen, gepaart mit seinen künstlerischen Ideen und seinem künstlerischem Gespür für die Freiplastik seinen interessanten und erfolgreichen Werdegang als Künstler fortsetzen wird.

Ulrich Heiß M. A.

Kunsthistoriker

ehem. Leiter des Kunsthauses Kaufbeuren